



100 Jahre Gaststätte Auf der Papagei 2
1902 - 2002
Gasthaus zum Schwanen
(Clarenz Eck)
Restaurant
Kastanienhof
Josef Clarenz, der Gründer des Hauses wurde 1865 in
Siegburg geboren. Er lernte das Brauerei-Handwerk in Köln-Mülheim und übernahm,
als sein Vater starb, die Clarenz-Brauerei in der Tönnisbergstraße 2 im Jahr
1890.
Er heiratete vier Jahre später Anna Maria Löwen aus Meisenbach im
Westerwald und nahm sie mit in das elterliche Geschäft. Dort lebten sie acht
Jahre lang mit seiner Mutter und seinem Bruder Heinrich und bewirtschafteten
gemeinsam die Gaststätte mit der Brauerei. Es wurden vier Kinder geboren: Josef,
Willi, Maria und Helene.
Weil die junge Familie gern für sich sein wollte, versuchte Josef
Clarenz, ein Haus Auf der Papagei zu kaufen, bekam aber hierfür keine
Konzession. Er entschloß sich zu dem Grundstückskauf Auf der Papagei Nr. 2, den
seine Frau finanzierte. Das Geld für den Bau mußte geliehen werden.
1902 wurde mit dem Hausbau begonnen und noch im selben Jahr das
"Gasthaus zum Schwanen" eröffnet.
Damals war das Stadtviertel, das sich vom Bahndamm zum Ortskern von
Wolsdorf hinstreckte, gerade in der Entwicklung begriffen. Die Straßen waren
noch nicht ausgebaut. Von der Tongrube Lichtenberg fuhren täglich die
Pferdegespanne mit Ton über den bei Regenwetter sumpfigen Weg. Gegenüber der
Gaststätte war ein großer Weiher mit Schilf und Schwänen, deshalb nannte Josef
sein Haus "Gasthaus zum Schwanen".
Es wurde ein beliebter Aufenthalt für Gäste.
Die
Gaststätte in der Tönnisbergstraße führten seine Mutter mit ihrem Sohn Heinrich
allein weiter, die Brauerei übernahm Josef Clarenz. 14 Jahre später verlegte er
sie auf den Wolsberg und erbaute dort später das Hotel Restaurant Siegblick, das
Pfingsten 1927 eröffnet wurde.
Zur Bewirtschaftung des "Siegblicks" nahm Josef seine Kinder Willi,
Maria und Helene mit. Seine Frau und die beiden Mädchen mußten das Gasthaus zum
Schwanen allein führen. Beide Geschäfte liefen gut. Auf dem "Siegblick" wurde
sehr dringend Hilfe benötigt, so wurde im Jahr
1930 das Gasthaus zum Schwanen an die Familie Lancier verpachtet
und die restliche Familie zog zum "Siegblick".
1935 heiratete Willi Clarenz Ida Behler aus Niesen in Westfalen.
Ihr Vater war Sägewerksbesitzer und Bauunternehmer in Niesen und beschäftigte
damals 100 Leute. Er war der größte Arbeitgeber im Dorf. Ida Behler brach ihr
Zahnmedizinstudium ab und bereitete sich als Volontärin im "Margaretenkreuz" im
Siebengebirge auf ihre zukünftigen Aufgaben als Gastwirtin vor.
Willi hatte eine Ausbildung als Brauer (Meisterbrief 1926 in München)
und Landwirt (Landwirtschaftsschule Hennef). Jahrelang hatte er im elterlichen
Betrieb beim Aufbau des Hotel Restaurant Siegblick während seiner Jugend
schwerste Arbeit geleistet und war
fest davon überzeugt, für die Übernahme des "Siegblicks" bestimmt zu
sein.
Der ältere Bruder hatte die Beamtenlaufbahn eingeschlagen (er wurde
später Oberkreisdirektor des Siegkreise). Seine vier Schwestern aber wollten den
Siegblick weiterführen, so daß sein Vater dem jungen Paar die Führung seiner
Gaststätte "Zum Schwanen" übergab. So kehrte Willi mit seiner Frau in das
elterliche Haus Auf der Papagei 2 zurück.
1945
bei dem Bombenangriff am 9. März fielen auf der Papagei vier Bomben. Das Haus
wurde stark beschädigt. Es dauerte Jahre bis allein die Fensterscheiben ersetzt
werden konnten.
1948 nach der Währungsreform begann der wirtschaftliche
Aufschwung. Da wo die Veranda gestanden hatte, wurde ein Anbau errichtet und als
Postnebenstelle vermietet.
1949 wurde eine Kegelbahn gebaut und zwei Garagen.
1954 entstand nach Ablauf des Mietvertrages mit der Post aus der
ehemaligen Veranda ein Gesellschaftsraum und darüber eine Mietswohnung.
Der 1. Fernsehapparat in Wolsdorf wurde vor der Fußballweltmeisterschaft
angeschafft; das war eine Sensation! 120 Gäste verfolgten gespannt die Spiele
vor dem Schwarz-Weiß-Bildschirm.

1961 wurde die 2. Kegelbahn gebaut, damit die Sportkegler ihre
Wettkämpfe in der "Clarenz Eck", wie die Gaststätte auch genannt wurde,
austragen konnten.
Besondere Höhepunkte waren außerdem jährlich die Karnevals- und
Kirmesveranstaltungen, sowie Tanz in den Mai und Silvesterball.
Gern setzte sich Willi Clarenz ans Klavier und unterhielt die Gäste mit
beliebten Melodien zum Mitsingen.
Eine
ehemalige Wolsdorferin erinnerte sich mit 88 daran, daß immer ein Glas mit
Soleiern auf der Theke stand und daß sie dort ihr erstes und einziges Solei
gegessen hat.
Ein alter Wolsdorfer erinnert sich daran, in der Gaststätte zum Schwanen
große Glas-Krüge mit Bier und Zitsch zum Abenessen geholt zu haben.
Auch an Streiche erinnert er sich gern, z. B. wie er mit seinen Pänz die
Eingangstür zur Wirtschaft mit Kordel zugebunden hat oder wie sie mit Wasser
gefüllte Luftballons auf die Tische im Biergarten manövriert haben, um den
Gästen einen Streich zu spielen. Sie haben viel Spaß dabei gehabt.

Nach dreißigjähriger Führung wurde die Gaststätte
1965 verpachtet. Der Sohn Reiner wollte das Hotel Restaurant
Siegblick übernehmen und die Tochter Doris war nicht an der Gaststätte
interessiert. Sie besitzt ein eigenes Cafe in Portugal und eine
Golfschläger-Klinik mit Abschlagplatz in Köln.
1977 starb Ida Clarenz nach schwerer Krankheit im Alter von 66
Jahren.
1978 starb Willi Clarenz mit 81 Jahren.
Die Kinder Reiner und Doris erbten das Elternhaus. Reiner zahlte seine
Schwester aus und übernahm das Anwesen. Nach der Haushaltsauflösung wurde die
Wohnung vermietet.
Trotz erheblicher Investitionen wechselten die Pächter in der Gaststätte
häufig. Schulden blieben zurück.
Der erste Pachtvertrag war mit der Oberkasseler Brauerei abgeschlossen
worden, ging dann über auf die Römer Brauerei in Köln.
1992 wurde er an die Sester-Brauerei weitergegeben. Eine
Grundrenovierung und große Investitionen erfolgten vor der Eröffnung eines
kroatischen Restaurant mit dem Namen "Kastanienhof", den das Ehepaar Pervan
leitete.
1999 übernahm der Kölner Verbund Vertrieb Kölscher
Bierspezialitäten GmbH & Co KG den Pachtvertrag. Ehepaar Sabo löste Herrn Pervan
ab.
Das Restaurant ist bei den Gästen sehr beliebt. Herr und Frau Sabo mit
seinen freundlichen Mitarbeitern setzen sich sehr für die Gäste ein, sie
verstehen ihr Fach bestens.
2002 hat Herr Sabo eine Hofüberdachung anfertigen lassen und die
Außenfläche liebevoll und gemütlich gestaltet, damit seine großzügige, bequeme
Terrassenbestuhlung
auch bei feuchter Witterung genutzt werden kann.
Im Herbst besteht das Haus Auf der Papgei 100 Jahre. Das genaue Datum
ist nicht bekannt.
Dem gastlichen Haus wünschen wir für die Zukunft viel Glück und
zufriedene, treue Gäste, die gern wiederkommen und hier frohe Stunden erleben.
Die Chronik wurde zusammengestellt von Barbara Clarenz im Mai 2002